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Auszeitklang Michaela Stohl
01.Juni 2024

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Malen auf dem Malerweg – Malen verändert
M

alende Künstler/innen hatten zu allen Zeiten meist einen guten Geschmack. Das dachte ich schon oft, als ich auf dem Malerweg unterwegs war. Welch schöne Landschaft, durch die der Malerweg führt. Nur finde ich die Natur so schön und vom Schöpfer fantastisch gelungen, dass ich sie mit keinem Bild nachahmen kann. Kann ein Bild gegen die Natur nicht nur verlieren? Hier draussen ist auch so viel Ablenkung – so viele schöne Details, Tiere, Pflanzen, Licht und Schattenspiele, Bewegung, Formen, Farben – Lebendigkeit in ihrer reinsten Form eben.

Doch nun stand ich hier und stellte mich dieser neuen Herausforderung. Wo wollte ich anfangen? Welchen Platz möchte ich küren, um da zu verweilen? Vorsorglich hatte ich ein sehr romantisches Plätzchen gewählt – das optimale Motiv.

Meine malende Freundin hatte schnell ihren Platz gefunden. Ich untersuchte verschiedene Blickwinkel. Lieber nah oder doch ein wenig Distanz, von unten oder eher von oben? Die Sonne ließ noch auf sich warten, aber ich ahnte, wo die Lichtpunkte sein werden, wenn sie den Ort in ihre Strahlen einhüllt.


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Was, wenn das Blatt leer bleibt? Dann hatte ich dennoch ein schönes Erlebnis.

Wo war der richtige Blickwinkel? Ich setzte mich zu dem Herz im Spinnennetz.

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Das wäre auch ein schönes Motiv, doch da war dieser Blick durch den früheren Bärenzwinger, ein wirklich romantisches Plätzchen. Mich freute das Wohlwollen der Vorbeigehenden, die sich kaum trauten, ein Foto von dem Ort zu machen, um uns nicht zu stören. Als ob ich das Bild einsaugen müsste, um es zu malen 😊. Dabei male ich nur, was ich empfinde. Es war nett, so respektvolle Menschen zu treffen. Sicher liegt  das an der Natur, da sind alle viel entspannter. 

Jedenfalls fragte ich mich beim Malen, warum es uns so fasziniert, durch etwas hindurchzuschauen, den Ausgang oder Ausblick vorzugreifen? Warum wollen wir wissen, wie es ausgeht? Weil es uns dann leichter fällt, die Wegstrecke in der Höhle oder Dunkelheit zu gehen und auszuhalten?

Ich fertigte als erstes eine Skizze an. Eine Idee sozusagen, wo ich überhaupt hin möchte.

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Nach der Skizze versuchte ich, die vielen Grüntöne in der Natur nachzuahmen. Mich bewegt die Schöpfung so sehr, der Wuchs eines Baumes, die Farne, Lichtpunkte – warum wollte ich vorgreifen und wissen, was hinter der Höhle ist, anstatt im Moment zu leben und die Gegenwart des Schöpfers zu genießen? Viele Gedanken bewegten mich beim Malen und irgendwann kam der Zeitpunkt, wo das Bild fertig war – nichts mehr hinzuzufügen.

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Ausblick

Pause – Tee genießen, ein bisschen laufen, ich betrachte mein Bild und staune, wie es mir in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen war. Ich mochte es und es war egal, was andere darin sahen, dies war eben meine Betrachtungsweise.

 

 

 

Doch mich lies die dunkle Höhle nicht los, diese Dunkelheit, die uns umgibt. Können wir das nicht umgehen? Ich wollte es genauer wissen und begab mich in die Höhle. Als die Augen sich endlich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, fand ich da einige schöne Details. Die Augen sind es also, die Angst vor der Dunkelheit haben – sie benötigen nur mehr Zeit im Dunklen, um alles wahrzunehmen. Der Ausblick in jede Richtung aus der Höhle heraus war nämlich licht und hoffnungsvoll. 

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Das inspirierte mich zu einem expressionistischen Bild – dies wollte sich mitteilen. Die Dunkelheit und die Schwierigkeiten in unserem Leben können wir also wie eine offene Tür sehen… dieser Gedanke gefiel mir.

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Dunkelheit ist eine offene Tür

 

In der Höhle hatte ich 2 Steine gesehen, die sich anschwiegen. Also begann ich noch ein Bild, wir hatten ja viel Zeit. Ich wollte diese zwei Steine malen und hoffte, dass sie mir etwas zu sagen hätten. Geduldig malte ich, fand das Bild anfangs überhaupt nicht schön und zerknüllte es beinahe. Aber ich wollte doch die Botschaft verstehen. Denn ich hatte gelernt, bevor ich das Bild ablehne, es von weitem anzuschauen. Und ich sah meiner Freundin ein wenig beim Malen zu. Sie sah alles völlig anders als ich, aber sehr schön. Dann ging ich wieder zu meinem begonnenen Bild und schuf um diese Steine herum ein Zuhause, damit sie sich wohlfühlen. Das taten sie, allerdings begannen sie deshalb trotzdem nicht zu reden. Doch ich hatte das Gefühl, es ging ihnen gut mit diesem Schweigen, da war Vertrauen, Zugewandtheit und Zufriedenheit. Sie saßen ja auch an der Quelle… Der Ausblick war nicht mehr relevant, nur der Moment zählte.

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wenn Steine schweigen

Nun hatte ich mich langsam am Grün sattgesehen und auch die Struktur ging mir inzwischen auf die Nerven. Ich brauchte etwas anderes, mehr Freiheit, Wildheit, keine Vorlage mehr, da wollte noch etwas anderes aus meinem Inneren mitreden.

Ich malte wild durcheinander, grün, knallepink, orange, gelb, weiß – auch, um die Farben zu verbrauchen, um nichts zu verschwenden. Doch das war mir plötzlich viel zu wild. Was wollte ich denn nun eigentlich? Wenn man das manchmal genauer wüßte. Also durfte die gute alte Struktur wieder her.

Was tust du, wenn dir alles zu viel ist? In der Natur deckt Schnee alles Graue im Winter zu. Also Deckweiß. Ich liebe mein Deckweiß. Einfach darüber malen. Es wurde ruhiger. Friedlicher. Aber ich hatte keine Ahnung, was das Bild mir sagen wollte. Was hatte es mit diesem Ort zu tun? Sollte das ein Engel sein, ein Weg, ein Ausblick? Ein Schlüsselloch, ein Tor, ein…? 

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Die Stunden verflogen und wir mussten unsere Sachen packen. Ich musste die Spannung also ertragen, mein eigenes Bild nicht zu verstehen. Indessen hatte meine Freundin ihre Bilder fertig und wir schauten uns die Ergebnisse dieses Tages an. Das schönste waren die inneren Prozesse, die sich in den Bildern ein wenig ausdrückten. Meine Freundin hatte eine ganze Geschichte gemalt. Mit ihrer Genehmigung darf ich das zeigen.

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So viel war entstanden, was wir vorher nicht ahnten. Wir nahmen Abschied von diesem schönen Ort. Wie intensiv dieser Tag doch sein kann in diesem Naturerleben.

Erst zuhause, als ich mein Bild noch einmal ganz in Ruhe betrachtete, sah ich in Umrissen die Frau, der ich dann verstärkte Konturen gab… Nun verstand ich mein Bild.

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Auszeitklang

Dankbar für diese Erfahrung male ich inzwischen öfter draußen. Was da alles Schönes entstehen kann :-).

Möchtest du mal deine Empfindungen und Prozesse beim Malen entdecken? Ich biete von Zeit zu Zeit angeleitetes Entspannungsmalen im Haus am Bach in Dresden an. Melde dich gern bei Interesse – hier geht es zu den Veranstaltungen. Vom letzten Kurs berichte ich ein andermal.

Mehr Informationen unter auszeitklang.de

 

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Malerweg - Auszeitklang
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